Verbindung zur Chemie

Die folgenden Beispiele stellt uns freundlicherweise Dr. Felix Schumacher aus Essen zur Verfügung.

Periodische Randbedingungen

Die sechs p-Elektronen in einem Benzolring (C6H6) stellen ein System von drei konjugierten Doppelbindungen dar, die letztlich völlig delokalisiert sind, also – in der Sprache der Chemiker – über das ganze Molekül verschmiert sind. Die Wellenfunktionen dieser Elektronen haben in der Molekülebene eine Knotenebene, und im Folgenden soll nur das Verhalten längs des Benzolringes betrachtet werden; dadurch liegt dann tatsächlich ein eindimensionales Problem vor. Man erhält folgende Eigenfunktionen (L ist der vorläufig unbekannte Umfang des Benzolringes):

Zustände gerader Parität:

\varphi_n (x) = \sqrt{\dfrac{2}{L}} \cdot \cos\biggl(2n\pi\dfrac{x}{L}\biggr) \quad n = 0,1,2,3,...

Zustände ungerader Parität:

\Psi_n (x) = \sqrt{\dfrac{2}{L}} \cdot \sin\biggl(2n\pi\dfrac{x}{L}\biggr) \quad n = 0,1,2,3,...

Grundzustand:

\varphi_0 (x) = \dfrac{1}{\sqrt{L}} \quad \text{(also eine konstante Funktion)}

Der Eindeutigkeit halber kann man sich vorstellen, dass x der Abstand des Elektrons von einem speziellen C-Atom ist, gemessen entlang des Benzolringes. Die Wellenfunktion muss dann die Periode L aufweisen.

Im Folgenden soll der Umfang des Benzolringes, das ist die Größe L, abgeschätzt werden. Bis auf den Grundzustand sind alle Zustände zweifach entartet. Nimmt man das Pauli-Prinzip zu Hilfe, dann ist unter Berücksichtigung des Spins der Elektronenzustand mit n = 0 doppelt und mit n = 1 vierfach besetzt. Die erste Anregung erfolgt von n = 1 nach n = 2.

Wegen der periodischen Randbedingung muss zusätzlich gelten:

j (x) = j (x + L) \quad \text{und} \quad \psi (x) = \psi (x + L) \, \text{.}

Die Energieeigenwerte sind die folgenden:

E_n = \dfrac{h^2 \cdot n^2}{2mL^2} \, \text{.}

Also lautet die zugehörige Energiedifferenz :

\Delta E = \dfrac{h^2}{2mL^2} \cdot (2^2 -1 ) = \dfrac{3 \cdot h^2}{2mL^2} \, \text{.}

Optisch liegt dieser Übergang im UV bei l = 200 nm; setzt man

\Delta E = \dfrac{h \cdot c}{\lambda} \quad \text{, so erhält man} \quad L = \sqrt{\dfrac{3h\lambda}{2mc}} \, \text{.}

Unter der Wurzel stehen nur Naturkonstanten und die Messgröße l = 200 nm. Damit kann man den Umfang des Benzolringes bestimmen; man erhält L = 0{,}832 \text{nm}. Der Abstand zweier C-Atome im Benzolring ergibt sich daraus zu

d = \dfrac{L}{6} = 0{,}142 \, \text{nm.}
In der Literatur wird d = 0{,}139 \text{nm} angegeben. Das ist eine Abweichung von lediglich 2%.

Das Modell liefert bei der räumlichen Verteilung der p-Elektronen längs des Benzolrings eine konstante Wahrscheinlichkeitsdichte. Dies ist eine typische aromatische Verbindung.

Ein Anwendungsbeispiel für den linearen Potentialtopf mit unendlich hohen Wänden sind die Polyene, lineare Kohlenstoff-Wasserstoffverbindungen mit konjugierten Doppelbindungen. Betrachtet man die Verbindungen der p-Elektronen entlang des Moleküls (z.B. b-Carotin), so zeigt sich, dass die Antreffwahrscheinlichkeit an den Enden des Moleküls am größten ist. Bei den Additionsreaktionen lagern sich die Atome immer an den Enden des Molküls an.

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