{"id":77,"date":"2018-01-14T21:01:14","date_gmt":"2018-01-14T21:01:14","guid":{"rendered":"http:\/\/134.169.6.169\/milq\/?page_id=77"},"modified":"2026-04-08T15:13:17","modified_gmt":"2026-04-08T13:13:17","slug":"didaktische-konzepte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.milq.info\/en\/spezialgebiete\/didaktische-konzepte\/","title":{"rendered":"Didaktische Konzepte"},"content":{"rendered":"<div id=\"bsf_rt_marker\"><\/div><p><\/p>\n<h2>\u00dcbersicht \u00fcber die Unterrichtsentw\u00fcrfe aus der fachdidaktischen Literatur<\/h2>\n<p>In diesem Kapitel geben wir einen \u00dcberblick \u00fcber die bisher ausgearbeiteten Unterrichtskonzepte zur Quantenphysik. Der Schwerpunkt der folgenden Darstellung liegt auf der inhaltlichen Struktur der betrachteten Unterrichtskonzepte. Eine didaktische oder fachliche Auseinandersetzung mit den beschriebenen Entw\u00fcrfen soll an dieser Stelle nicht stattfinden; in diesem Kapitel beschr\u00e4nken wir uns auf die inhaltliche Darstellung. Einige der hier vorgestellten Entw\u00fcrfe sind in der Unterrichtspraxis erprobt und evaluiert worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">1. Das Unterrichtskonzept von Brachner und Fichtner\u00a0&#8211;\u00a02. Das Berliner Konzept\u00a0&#8211;\u00a03. Das Bremer Unterrichtskonzept\u00a0&#8211;\u00a04.1 Der Zeigerformalismus nach K\u00fcblbeck<br \/>\n4.2 Zeigerformalismus nach Bader\u00a0&#8211;\u00a05. Visual Quantum Mechanics\u00a0&#8211;\u00a06. Literatur<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>1. Das Unterrichtskonzept von Brachner und Fichtner<\/h3>\n<p>Brachner und Fichtner (1977, 1980) entwickelten in den sp\u00e4ten siebziger Jahren den ersten f\u00fcr die Schule gedachten Quantenphysik-Kurs, der sich stark an die Vorlesungen von Feynman (Feynman 1966) orientiert.<\/p>\n<p>Im Folgenden ist kurz der Aufbau des Kurses skizziert:<\/p>\n<table border=\"2\" cellspacing=\"2\">\n<tbody>\n<tr align=\"center\">\n<td colspan=\"2\">\u00a0<strong>I. Quantenphysik<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>1. Elektronen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Nachweis des Elektrons sowie Bestimmung von Masse und Ladung.<\/li>\n<li>\n<div>Beobachtung des Verhaltens von Elektronen am Doppelspaltexperiment.<\/div>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td align=\"center\">\u00a0Elektronen sind weder klassische Teilchen noch klassische Wellen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>2. Photonen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Doppelspaltexperiment mit abgeschw\u00e4chtem Licht<\/li>\n<li>Photoeffekt<\/li>\n<li>h-Bestimmung<\/li>\n<li>Compton-Effekt<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td align=\"center\">\u00a0Photonen sind weder klassische Teilchen noch Wellen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>3. Charakterisierung von Mikroobjekten:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Stochastisches Verhalten<\/li>\n<li>De-Broglie-Beziehung<\/li>\n<li>Drehimpuls<\/li>\n<li>Spin und Polarisation.<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td align=\"center\">Wahrscheinlichkeitsgesetze in der Mikrophysik; Drehimpulsquantisierung; Fermionen und Bosone<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>4. Energiequantisierung:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Franck-Hertz-Versuch<\/li>\n<li>Energieniveaus von Atomen<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td align=\"center\">\u00a0Das Bohrsche Atommodell wird explizit vermieden.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>5. Superpositionsprinzip:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Wahrscheinlichkeitsamplituden und Wahrscheinlichkeiten<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td align=\"center\">\u00a0Wie bei Feynman wird die zentrale Bedeutung de Wahrscheinlichkeitsamplituden hervorgehoben. F\u00fcr sie, nicht f\u00fcr die Wahrscheinlichkeiten gilt das Superpositionsprinzip.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>6. Potentialt\u00f6pfe und Schr\u00f6dinger-Gleichung:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Elektron in verschiedenen eindimensionalen Potentialt\u00f6pfen<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td align=\"center\">\u00a0Station\u00e4re und zeitabh\u00e4ngige Schr\u00f6dinger-Gleichung; unendlicher hoher Potentialtopf; endlicher Potentialtopf; Tunneleffekt; chemische Bindung<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>7. Unbestimmtheitsrelation:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Formulierung der Unbestimmtheitsrelation<\/li>\n<li>Anwendung (Tunneleffekt, Feldionenmikroskop)<\/li>\n<\/ul>\n<\/td>\n<td align=\"center\">\u00a0Verlust des Bahnbegriffs in der Mikrophysik; Lokalisationsenergie<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"center\">\n<td colspan=\"2\"><strong>II. Atomphysik<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\">Es werden die Grundlagen \u00fcber den Atomaufbau, der Grundzustand vom Wasserstoffatom, die Energieniveaus sowie Emissions- und Absorptionsspektren besprochen. Weiterhin wird die Aufenthaltswahrscheinlichkeit im Orbitalmodell erkl\u00e4rt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr align=\"center\">\n<td colspan=\"2\">\u00a0<strong>III. Vielteilchensysteme<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"2\">Der Schwerpunkt liegt auf der Ununterscheidbarkeit, der Symmetrie der Wellenfunktion \u03c8, dem Pauli-Prinzip und dem Bau der Atome anhand der Streuexperimente zwischen\u00a0<sup>4<\/sup>He-Atomen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h3>Das Fundamentalprinzip<\/h3>\n<p>Ein wichtiger Punkt f\u00fcr Brachner und Fichtner ist das sogenannte quantenmechanische Fundamentalprinzip, das auch bei Feynman (1963) an zentraler Stelle steht. Es lautet:<\/p>\n<p><strong>Gibt es verschiedene M\u00f6glichkeiten (Wege) f\u00fcr das Eintreten eines bestimmten Ereignisses und wird durch die Versuchsanordnung nicht festgelegt, dass ausschlie\u00dflich eine bestimmte M\u00f6glichkeit gew\u00e4hlt wurde, so tritt immer Interferenz auf. Hinterl\u00e4sst dagegen jedes Ereignis an der Versuchsanordnung eindeutig ein bestimmtes Merkmal, durch das entschieden werden kann, welche der verschiedenen M\u00f6glichkeiten gew\u00e4hlt wurde, dann tritt nie Interferenz auf.<\/strong><\/p>\n<p>Eine paradigmatische Anwendung findet das Fundamentalprinzip am Doppelspalt: Wenn mit Hilfe einer geeigneten Messvorrichtung entschieden werden kann, durch welchen Spalt ein Elektron gegangen ist, tritt keine Interferenz auf. Erlaubt die Versuchsanordnung dagegen nicht, einem Elektron einen bestimmten Spalt zuzuordnen, bilden die Elektronen auf dem Schirm ein Interferenzmuster aus. Ein anderes Beispiel ist die schon erw\u00e4hnte Streuung von\u00a0<sup>4<\/sup>He-Atomen, bei der es aufgrund der Ununterscheidbarkeit zur Interferenzerscheinungen kommt. Streut man dagegen\u00a0<sup>3<\/sup>He an\u00a0<sup>4<\/sup>He, tritt keine Interferenz auf.<\/p>\n<h3>2. Das Berliner Konzept<\/h3>\n<p>Das von Fischler und Lichtfeldt unter Mitwirkung von Lehrern entwickelte und evaluierte Berliner Konzept zur Einf\u00fchrung in die Quantenmechanik war der erste Unterrichtsvorschlag, der aus der Analyse der typischen Lernschwierigkeiten und Sch\u00fclervorstellungen beim Lernen der Quantenphysik hervorgegangen ist (Berg et al. 1989).<\/p>\n<p>Bei der Entwicklung der Berliner Konzeption wurde versucht, folgende Schwierigkeiten zu ber\u00fccksichtigen:<\/p>\n<p><strong>Die enge Verkn\u00fcpfung von Photonen mit der Teilchenvorstellung:\u00a0<\/strong><br \/>\nEin eventuell im Unterricht angesprochenes verfeinertes Modell wird schnell zugunsten des anschaulichen Teilchenmodells aufgegeben.<\/p>\n<p><strong>Das Festhalten der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler am Bohrschen Atommodell:\u00a0<\/strong><br \/>\nIn seiner Anschaulichkeit ist das Bohrsche Atommodell f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler attraktiv. Selbst wenn die Grenzen des Modells angesprochen werden, wird es nicht aufgegeben.<\/p>\n<p><strong>Die in den meisten Kursen unzureichende Darstellung der Welle-Teilchen-Problematik:<\/strong><br \/>\nH\u00e4ufig werden irref\u00fchrende Formulierungen zum Nebeneinander von Wellen- und Teilchenmodell verwendet, die die Vorstellungen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in eine falsche Richtung lenken.<\/p>\n<p><strong>Probleme mit dem Begriff der Materiewelle:<\/strong><br \/>\nDieser Begriff kann von den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern ebenfalls nicht in der intendierten Weise interpretiert werden.<\/p>\n<h3>Inhaltlicher Aufbau der Konzeption<\/h3>\n<p>Ziel war es, einen Kurs zu schaffen, der &#8220;auf der einen Seite mit allen Lehrpl\u00e4nen vereinbar ist und auf der anderen Seite durch eine ver\u00e4nderte Beschreibung der Inhalte und eine von den \u00fcblichen Vorschl\u00e4gen abweichende Anordnung der Teilthemen neue Akzente setzt. Das zentrale Ziel dieser Konzeption ist es, den Sch\u00fclern das Verst\u00e4ndnis der Grundprinzipien der Quantenphysik dadurch zu erleichtern, dass die beobachteten quantenphysikalischen Ph\u00e4nomene von Anfang an durch die Brille der modernen Physik betrachtet werden&#8221; (Fischler &amp; Lichtfeldt 1994). Bez\u00fcge zur klassischen Physik sollen vermieden werden.<\/p>\n<ul>\n<li>Eine der Grundentscheidungen der Berliner Konzeption war, den Kurs mit Elektronen beginnen zu lassen. Dies wurde mit den oben angesprochenen Nachteilen des konventionellen Beginns mit Photonen begr\u00fcndet. Photonen werden deshalb erst relativ sp\u00e4t im Kurs behandelt.<\/li>\n<li>Die Unbestimmtheitsrelation wird in der Berliner Konzeption bewusst zu einem sehr fr\u00fchen Zeitpunkt eingef\u00fchrt, um die Unbestimmtheitsrelation f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit pr\u00e4sent zu haben. Sie wird in der Sprache der Ensemble-Deutung vermittelt: Es gibt keine Gesamtheit von Quantenobjekten, deren Ortstreuung \u0394 x und Impulsstreuung \u0394 p<sub>x<\/sub>\u00a0gleichzeitig beliebig klein sind. Die Relation\u00a0<img decoding=\"async\" src=\"\/data\/_uploaded\/Spzezial\/1Didaktisches%20konzept\/1Eqn1.gif\" alt=\"\" align=\"absmiddle\" \/>\u00a0setzt der gleichzeitigen Verringerung von \u0394 x und \u0394 p<sub>x<\/sub>\u00a0eine prinzipielle Grenze.<\/li>\n<li>In der Atomphysik wird mit Hilfe des dreidimensionalen Potentialtopfs auf die Energieniveaus des Wasserstoffatoms geschlossen. Mit einigen Zusatzannahmen und \u00dcberlegungen wird mit Hilfe des dreidimensionalen Potentialtopfs ein Energiespektrum mit\u00a0<img decoding=\"async\" src=\"\/data\/_uploaded\/Spzezial\/1Didaktisches%20konzept\/2Eqn2.gif\" alt=\"\" align=\"absmiddle\" \/>\u00a0berechnet (auf die Problematik dieser Herleitung wurde von Wiesner (1992) hingewiesen.)<\/li>\n<li>Berg et al. (1989) wenden sich gegen eine fr\u00fche Besch\u00e4ftigung mit Deutungsfragen, da &#8220;solche Fragen in ihrem erkenntnistheoretischen Kontext erst dann Hauptthema des Unterrichts werden k\u00f6nnen, wenn die Sch\u00fcler einige Kenntnisse \u00fcber experimentelle und theoretische Methoden und Ergebnisse der Atomphysik besitzen&#8221;.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>\u00dcbersicht \u00fcber den Kurs<\/h3>\n<table border=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>\u00a01. Beugung von Elektronen.<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0 Elektronenbeugung; de-Broglie-Beziehung; Doppelspaltversuch mit Elektronen (zun\u00e4chst mit hoher, dann mit niedriger Intensit\u00e4t). Gegen\u00fcberstellen des Verhaltens von Elektronen, klassischen Teilchen und Wasserwellen am Doppelspalt.<br \/>\nStatistische Deutung in der Ensemble-Interpretation; Versagen des klassischen Bahnbegriffs.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>2. Heisenbergsche Unbestimmtheitsrelation.<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Keine &#8220;Herleitung&#8221; der Unbestimmtheitsrelation, da alle auf Schulniveau diskutierbaren Herleitungen mit M\u00e4ngeln behaftet sind. Begriff der Lokalisationsenergie.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>3. Energiequantelung im Atom<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Eindimensionaler und dreidimensionaler Potentialtopf; Quantisierung der Energie.<br \/>\nDas Bohrsche Atommodell wird nicht behandelt (Bez\u00fcge zur klassischen Physik sollen vermieden werden).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>4. Franck-Hertz-Versuch und Spektraluntersuchungen<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Franck-Hertz-Versuch; Emissions- und Absorptionsspektren von Atomen als Beleg f\u00fcr die Energiequantisierung.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>5. Quantelung des Lichts<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0\u00c4u\u00dferer Photoeffekt; Taylor-Experiment mit einzelnen Photonen (Experiment mit Fotoapparat in einem abgedunkelten Kasten); Compton-Effekt<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>6. Deutungsfragen<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Z. B. Lekt\u00fcre von Originalarbeiten<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Das Berliner Unterrichtskonzept wurde in einer umfangreichen Unterrichtsuntersuchung evaluiert. <a href=\"https:\/\/www.milq.info\/evaluationberlin\/\">Die Ergebnisse k\u00f6nnen Sie hier nachlesen.<\/a><\/p>\n<h3>3. Das Bremer Unterrichtskonzept<\/h3>\n<p>Das Bremer Unterrichtskonzept zur Quantenmechanik entstand zum einen aus der Untersuchung von Sch\u00fclervorstellungen aus dem Bereich der Atom- und Quantenphysik, zum andern aus der Erprobung des Einsatzes von Modellbildungssystemen auf dem Computer mit dem Ziel der Berechnung von Zust\u00e4nden h\u00f6herer Atome.<\/p>\n<p>N\u00e4here Informationen dazu findet man auf der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.idn.uni-bremen.de\/idpstart.php\">Homepage der Physikdidaktik der Uni Bremen<\/a>.<\/p>\n<p>Niedderer (1992) kennzeichnet die didaktische Konzeption durch folgende Leitideen:<\/p>\n<h4>Von Bohr zu Schr\u00f6dinger<\/h4>\n<p>Ausgehend von der kritisierten Dominanz des Bohrschen Atommodells in den Schulen ungebrochen ist, wird im Bremer Ansatz &#8220;das Bohrsche Modell nur so weit ber\u00fccksichtigt, wie es in einem sch\u00fclerorientierten Unterricht von Sch\u00fclern selbst eingebracht wird&#8221; (Niedderer 1992). Angestrebt wird ein Verst\u00e4ndnis des Schr\u00f6dingerschen Atommodells mit seinen station\u00e4ren Zust\u00e4nden und diskreten Energieniveaus. Reduzierung des mathematischen Aufwands. Der mathematische Aufwand wird bei der realistischen Beschreibung von h\u00f6heren Atomen schnell sehr gro\u00df. Das Konzept des durch Quantenzahlen beschriebenen Zustands wird zur mathematischen Vereinfachung durch die Analogie der klassischen stehenden Welle eingef\u00fchrt. Der Computer (genauer: das grafische Modellbildungssystem STELLA) spielt eine wesentliche Rolle bei der Diskussion atomarer Zust\u00e4nde und der Berechnung von Energieniveaus.<\/p>\n<h4>Erschlie\u00dfung von Anwendungen<\/h4>\n<p>Nach Niedderer (1992) ist das Ziel des Kurses &#8220;weniger eine Vertiefung der Interpretationsdiskussion und ihrer philosophischen Probleme, [die] Konzeption ist mehr auf die Erschlie\u00dfung von Anwendungen [des] Quantenmodells auf Ph\u00e4nomene der Atomphysik, der Chemie und der Festk\u00f6rperphysik gerichtet.&#8221;<\/p>\n<h4>Sch\u00fclerorientierung<\/h4>\n<p>Sch\u00fclerorientierte Phasen an verschiedenen Stellen des Unterrichts sollen Begriffsbildung und Lernprozesse der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler erleichtern.<\/p>\n<h3>Inhalte des Bremer Unterichtskonzepts<\/h3>\n<p>Wie diese Zusammenstellung zeigt, liegt der inhaltliche Schwerpunkt des Unterrichtskonzepts bei den gebundenen Zust\u00e4nden, also in der Atomphysik. Der zentrale Gedanke hinsichtlich der Vorstellung von Atomen liegt darin, einen anschaulichen Begriff des quantenmechanischen station\u00e4ren Zustands an Stelle des in den Sch\u00fclervorstellungen dominanten Bohrschen Atommodells zu setzen.<\/p>\n<table border=\"2\" width=\"1200\" cellspacing=\"1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>\u00a01. Licht und Elektronen als Quanten<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Photoeffekt; Begriff des Photons; Wellenverhalten von Elektronen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>\u00a02. Die Analogie der stehenden Welle.<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Einf\u00fchrung station\u00e4rer Zust\u00e4nde aus der Analogie zur stehenden Welle in der klassischen Physik (Seilwelle mit ver\u00e4nderlicher Massendichte)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>3. Vorstellungen vom Aufbau der Atome<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Im Bremer Ansatz wird das &#8220;Modell Quant&#8221; folgenderma\u00dfen beschrieben:<\/p>\n<p>(1) Es gibt kleinste Einheiten (Photonen, Elektronen), die durch Energie, Impuls oder Ort, Ladung und Masse gekennzeichnet sind. Sie werden bei Messungen punktf\u00f6rmig angetroffen.<\/p>\n<p>(2) Diesen Quanten ist eine Funktion zugeordnet, f\u00fcr deren Interpretation zwei Varianten angeboten werden: die Interpretation als Antreffwahrscheinlichkeit und die Interpretation als kontinuierliche Ladungsdichte. Teilweise wird diese Ladungsdichte als Substanz (&#8220;Elektronium&#8221;) interpretiert.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>\u00a04. Station\u00e4re Schr\u00f6dingergleichung<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Die Schr\u00f6dinger-Gleichung wird \u00fcber die Seilwellenanalogie eingef\u00fchrt und anschlie\u00dfend am Computer untersucht, wobei vor allem die Bestimmung von Eigenwerten im Mittelpunkt steht.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>5. H-Atom.<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Mit dem Computer werden kugelsymmetrische L\u00f6sungen der eindimensionalen radialen Schr\u00f6dinger-Gleichung gesucht. Die Lage der erlaubten Energien wird durch Ber\u00fccksichtigung der Randbedingungen ermittelt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><strong>\u00a06. Mehrelektronen-Atome<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Die Diskussion h\u00f6herer Atome beginnt mit dem Begriff der Abschirmung, die durch die gegenseitige Beeinflussung verschiedener Elektronen des selben Atoms bewirkt wird. Anwendungen sind z. B. Helium- und Lithium-Atom.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><a href=\"https:\/\/www.milq.info\/evaluationbremen\">Informationen \u00fcber die Evaluation des Bremer Unterrichtskonzepts finden Sie hier.<\/a><\/p>\n<h3>4.1 Der Zeigerformalismus nach K\u00fcblbeck<\/h3>\n<p>Seit Feynmans Buch &#8220;QED &#8211; die seltsame Theorie des Lichts und der Materie&#8221;, in der die Quantenphysik auf einen strukturell sehr einfachen Formalismus mit rotierenden Zeigern zur\u00fcckgef\u00fchrt wird, gibt es Bem\u00fchungen, den Zeigerformalismus auch f\u00fcr die Schule zu nutzen. Bisher liegen drei ausgearbeitete Unterrichtskonzepte vor, die in diesem Abschnitt besprochen werden sollen.<\/p>\n<h4>Modellbildung<\/h4>\n<p>Wie der Titel von K\u00fcblbecks (1997) Unterrichtskonzept schon nahelegt, geht es hier nicht nur um Quantenphysik, sondern es wird auch \u00fcber Modellbildung in der Physik allgemein reflektiert. K\u00fcblbeck stellt dar, dass in der Physik eine Nachbildung der Wirklichkeit versucht wird. Physik ist deshalb immer mit Modellbildung verkn\u00fcpft &#8211; sei es in Form von Modellobjekten oder Theoriemodellen. Er spricht sich daf\u00fcr aus, die Modellbildung als erkenntnistheoretisches Thema explizit in der Schule zu behandeln. Die Quantenphysik ist hierf\u00fcr in besonderem Ma\u00df geeignet. Das mathematische Modell (der Formalismus der Quantenmechanik) ist f\u00fcr die Schule deutlich zu kompliziert, w\u00e4hrend anschauliche Modelle wie Wellen- und Teilchenmodell nur Teilbereiche des Quantenverhaltens wiedergeben.<\/p>\n<p>K\u00fcblbeck pl\u00e4diert daf\u00fcr, den Zeigerformalismus bereits in der Wellenoptik einzuf\u00fchren und begr\u00fcndet das mit den oben erw\u00e4hnten erkenntnistheoretischen \u00dcberlegungen: &#8220;Wenn man mit einem Modell vertraut ist, und es sich bew\u00e4hrt hat, dann h\u00e4lt man es leicht f\u00fcr die Wirklichkeit. So ist z. B. das Wellenmodell sehr anschaulich, doch diese Anschaulichkeit verf\u00fchrt zu verabsolutierenden Vorstellungen bei Ph\u00e4nomenen, die sich nicht nur wellenartig verhalten, wie das Licht. Der Zeigerformalismus ist f\u00fcr die Sch\u00fcler &#8211; viel mehr als der Wellenformalismus &#8211; offensichtlich ein Algorithmus, nicht an physikalische vorstellungen gebunden und interpretationsbed\u00fcrftig.&#8221; (K\u00fcblbeck 1997, S. 25).<\/p>\n<h3>Der Zeigerformalismus<\/h3>\n<p>K\u00fcblbeck beschreibt den Umgang mit dem Zeigerformalismus folgenderma\u00dfen (K\u00fcblbeck 1997, S. 25f): &#8220;In einer bestimmten experimentellen Anordnung sendet eine Quelle Q Felder oder Objekte einer bestimmten charakteristischen L\u00e4nge aus. [&#8230;] Mit dem folgenden Rezept kann man eine Gr\u00f6\u00dfe I(X) an jedem beliebigen Punkt X bestimmen, die im jeweiligen Modell geeignet zu interpretieren ist. (in der Wellenoptik ist sie proportional zur Energieeinstrahlungsintensit\u00e4t, in der Quantenphysik zur Detektionswahrscheinlichkeit):<\/p>\n<ol>\n<li>Zun\u00e4chst muss man alle Zeigerlinien zwischen Quelle Q und Punkt X finden. Das sind die relativ k\u00fcrzesten Verbindungen, also alle Verbindungen, die durch jede kleine Deformation l\u00e4nger werden.<br \/>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"1\" cellpadding=\"1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"\/data\/_uploaded\/Spzezial\/1Didaktisches%20konzept\/3Zeiger.gif\" alt=\"\" \/><\/td>\n<td>Die durchgezogene Linie ist eine Zeigerlinie.<br \/>\nSie wird durch jede kleine Deformation l\u00e4nger (gestrichelt)<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/li>\n<li>Auf jeder Zeigerlinie rollt ein Rad mit Umfang\u00a0l, auf das ein Zeiger der L\u00e4nge 1 aufgezeichnet ist. An der Quelle zeigt der Zeiger nach oben, dann dreht er sich mit dem Rad, bis er am Punkt X stehenbleibt (siehe Abb. unten). Die Zeigerendstellung ist ein Vektor mit der L\u00e4nge 1 und einer Winkelstellung , die wir Phase nennen [&#8230;].<br \/>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"1\" cellpadding=\"1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img decoding=\"async\" src=\"\/data\/_uploaded\/Spzezial\/1Didaktisches%20konzept\/4Zeiger2.gif\" alt=\"\" \/><\/td>\n<td>Auf der Zeigerlinie abrollendes Rad<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/li>\n<li>Nun werden jeweils alle Vektoren (vektoriell) addiert, die zu koh\u00e4renten Zeigerlinien geh\u00f6ren. [&#8230;]<\/li>\n<li>Die L\u00e4ngen der entstehenden Summenvektoren werden quadriert [&#8230;]. Die erhaltene Summe ist I(X). Das so explizierte Zeigerrezept kann nun auf verschiedene Systeme der Optik angewandt werden. K\u00fcblbeck nennt Doppelspalt, Dreifachspalt und (Fresnel-)Spiegel.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Anwendung des Zeigerformalismus in der Quantenphysik erfordert die Uminterpretation von I(X) als Wahrscheinlichkeit<br \/>\nsowie eine zus\u00e4tzliche Regel.<\/p>\n<p>Diese Grundregel besagt:<\/p>\n<p><strong>Wenn zwei Zeigerlinien unterscheidbar sind, m\u00fcssen die zugeh\u00f6rigen Vektoren zuerst vektoriell addiert und dann quadriert werden, ansonsten sind<br \/>\nzuerst die Vektoren zu quadrieren und dann die Ergebnisse zu addieren.<\/strong><\/p>\n<p>Dies entspricht dem\u00a0<a href=\"\/das-fundamentalprinzip\">Fundamentalprinzip<\/a>\u00a0von Brachner und Fichtner (s.o. S. 2): Addition der Amplituden oder Addition der Wahrscheinlichkeiten,<br \/>\nje nach Unterscheidbarkeit der Alternativen. Illustriert wird dies mit dem schon oben angesprochenen Streuexperiment,<br \/>\nin dem sich f\u00fcr\u00a0<sup>4<\/sup>He-<sup>4<\/sup>He-Streuung Interferenz ergibt, f\u00fcr die\u00a0<sup>3<\/sup>He-<sup>4<\/sup>He-Streuung dagegen nicht.<\/p>\n<h3>Inhalte des Kurses von K\u00fcblbeck<\/h3>\n<table border=\"2\" cellspacing=\"3\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>\u00a01. Photoeffekt und Teilchenmodell f\u00fcr Licht<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Photoeffekt; Bestimmung der Planckschen Konstante; Gegensatz zwischen Wellen- und Teilchenmodell beim Doppelspalt-Experiment.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>2. Wellen- und Teilchenmodell f\u00fcr Elektronen<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Elektronenbeugung; Betonen des analogen Verhaltens von Licht und Elektronen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>3. Die Unsch\u00e4rferelation in der Feynman-Form<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Feynman-Form der Heisenbergschen Unbestimmtheitsrelation: &#8220;Man kann kein Doppelspalt-Experiment konstruieren, bei dem man ein Interferenzmuster bekommt und gleichzeitig feststellen kann, welchen Spalt die Mikroobjekte passieren.&#8221;<br \/>\nExperimentelle Demonstration an einem Doppelspalt mit verstellbaren Polarisatoren.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>4. \u00dcberlegungen zur Modellbildung<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Die bisher vorgefundene Situation mit zwei unterschiedlichen Modellen ist unbefriedigend: Daher Thematisierung der Modellbildung.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>5. Erarbeiten der Quantenphysik-Regeln<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Regeln des Zeigerformalismus f\u00fcr Spaltexperimente. \u00dcben der Regeln mit einem &#8220;Steckerlrad&#8221; (drehbares Rad an einem Stiel, mit dem die Zeigerlinien nachgefahren werden).<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>6. Interpretation der Quantenmechanik und gebundene Systeme<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Keine ausf\u00fchrliche Behandlung dieser beiden Aspekte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h3><\/h3>\n<h3>4.2 Zeigerformalismus nach Bader<\/h3>\n<p>Bader verfolgt einen etwas anderen Zugang zum Zeigerformalismus. Im Gegensatz zum vorher vorgestellten Unterrichtsentwurf st\u00fctzt er sich sehr stark auf den Computer. In seinem Buch &#8220;Eine Quantenwelt ohne Dualismus&#8221; (Bader 1996) distanziert er sich zun\u00e4chst vom traditionellen<br \/>\nWelle-Teilchen-Dualismus. Er pl\u00e4diert f\u00fcr eine &#8220;Umdeutung des Huygensschen Prinzips auf Quantenobjekte&#8221;, was durch die Einf\u00fchrung von Zeigern geschieht. Bader legt Wert darauf, dass die rotierenden Zeiger keine Entsprechung in der Wirklichkeit haben. Sie stellen einfach ein Hilfsmittel zur Berechnung von Intensit\u00e4ten bzw. Wahrscheinlichkeiten dar.<\/p>\n<p>Ein Unterrichtsgang zur Quantenphysik sieht nach Baders Vorschlag wie folgt aus:<\/p>\n<table border=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>1. Wellenoptik<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Einf\u00fchrung in den Zeigerformalismus; Beugungsbilder; Fermatsches Prinzip.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>2. Lichtquanten<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Fotoeffekt; R\u00f6ntgenbremspektrum; Paarbildung und -zerstrahlung.Zeigerformalismus als &#8220;Umdeutung des Huygensschen Prinzips&#8221;. F\u00fcr Quantenobjekte liefert der Formalismus Wahrscheinlichkeitsaussagen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>3. Quantenobjekte mit Ruhemasse<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Elektronenbeugungsr\u00f6hre; de-Broglie-Beziehung; Superpositionsprinzip.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>4. Fortschreitende Materie&#8221;wellen&#8221;<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Aufbau und Ausbreitung von Wellenpaketen (Visualisierung mit Computer); Unbestimmtheitsrelation.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>5. Energiequantisierung<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Energiequantisierung; Franck-Hertz-Versuch; Spektrallinien.<\/p>\n<p>Beschreibung im Atom eingesperrter Elektronen, Wellenfunktion; Potentialtopf; Quantenspr\u00fcnge als \u00dcberg\u00e4nge zwischen Energieniveaus.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>6. Schr\u00f6dingergleichung<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Erraten der Schr\u00f6dingergleichung. Suchen nach Eigenwerten f\u00fcr vorgegebene Potentiale mit dem Computer. Tunneleffekt; harmonischer Oszillator; Messvorgang.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<h3><\/h3>\n<h3>4.3 Der Unterrichtsvorschlag von Erb, Sch\u00f6n und Werne<\/h3>\n<p>Ein weiterer Vorschlag zum Zeigermodell ging aus der Weiterentwicklung des Konzepts &#8220;Optik mit Lichtwegen&#8221; von Erb und Sch\u00f6n (Erb 1994, 1995). Dieses Optik-Curriculum baut auf dem Fermatschen Prinzip auf, nach dem das Licht zwischen zwei Punkten den jeweils schnellsten Weg nimmt. Dieses Prinzip, das schon in der Mittelstufe eingef\u00fchrt wird, wird in der Oberstufe zum Feynmanschen Zeigerformalismus f\u00fcr die klassische Optik ausgebaut.<\/p>\n<p>Der quantenmechanische Teil des Kurses wurde von Werner (2000) ausgearbeitet und im Unterricht erprobt. Aus dem Optikteil des Kurses ist der Zeigerformalismus bereits bekannt, seine Einf\u00fchrung erfolgt anfangs mit einem einfachen mechanischen Modell; bei den sp\u00e4teren komplizierteren Beispielen wird der Computer eingesetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table border=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>\u00a01. Quantenverhalten von Licht<\/strong><\/td>\n<td>Taylor-Experiments (Doppelspaltexperiment mit einzelnen Photonen); Photoeffekt; Photonendeutung; Bestimmung von h. Uminterpretation des Zeigermodells: Das Quadrat der Zeigerl\u00e4nge gibt keine Intensit\u00e4t an, sondern die Antreffwahrscheinlichkeit f\u00fcr einzelne Photonen.Fundamentalprinzip: Interferenzen sind nur dann zu beobachten, wenn dem Licht mehrere verschiedene Wege zur Verf\u00fcgung stehen, wobei die Wahl eines m\u00f6glichen Weges durch die Versuchsanordnung unbestimmt bleibt; Unbestimmtheitsrelation als Konsequenz des Fundamentalprinzips.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>2. Quantentheorie des Elektrons<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0In Anlehnung an den Karlsruher Physikkurs wird der Begriff &#8220;Elektronium&#8221; eingef\u00fchrt (die Substanz, deren Quanten die Elektronen sind). Wellenverhalten der Elektronen; de-Broglie-Wellenl\u00e4nge; Zeigerformalismus f\u00fcr Elektronen eingef\u00fchrt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>3. Gebundene Zust\u00e4nde<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Unendlich hoher Potentialtopf im Zeigerformalismus; Quantenmechanisches Atommodell: eindimensionaler Potentialtopf als &#8220;Schnitt&#8221; durch die rotationssymmetrische Elektronenverteilung in einem Atom (der Atomradius muss dabei vorgegeben werden); Spektren und Spektrallinien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><a href=\"https:\/\/www.milq.info\/evaluationzeiger\/\">Die Evaluation des Zeigerkonzepts von Werner k\u00f6nnen Sie hier nachlesen<\/a>.<\/p>\n<h3>5. Visual Quantum Mechanics<\/h3>\n<p>Hinter dem Konzept von Zollman steht der Grundgedanke, die Studentinnen und Studenten durch eigene T\u00e4tigkeiten (&#8220;hands-on activities&#8221;) mit dem zu lernenden Stoff in Ber\u00fchrung zu bringen. Dem entsprechend enth\u00e4lt der Kurs viele sehr angewandte Themen aus der Quantenphysik.<br \/>\nIm Vergleich zu vielen deutschen Unterrichtskonzepten ist die starke Orientierung auf qualitative Fragen bemerkenswert. Formeln kommen in dem Kurs nur sehr wenige vor.<\/p>\n<p>Im Kurs werden daneben sehr viel Simulationsprogramme eingesetzt.<\/p>\n<table border=\"2\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>\u00a01. Erforschen von Leuchtdioden<\/strong><\/td>\n<td>In diesem Kurs erfolgt der Einstieg \u00fcber eine Anwendung aus dem Bereich der Festk\u00f6rperphysik. An verschiedenen Leuchtdioden wird der Zusammenhang zwischen Farbe und Schwellenpannung untersucht und das Spektrum des emittierten Lichtes mit dem von Gl\u00fchlampen verglichen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>2. Energiediagramme von Atomen<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Energiediagramme von Atomen; \u00dcberg\u00e4nge zwischen Zust\u00e4nden; Erkl\u00e4rung des Spektrums von Gaslampen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>3. Spektrum von Leuchtdioden<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Valenz- und Leitungsband; Akzeptoren und Donatoren; Funktionsweise und das Spektrum einer Leuchtdiode.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>4. Materiewellen<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Doppelspaltexperiment mit Licht und mit Elektronen. De-Broglie-Relation; Doppelspaltexperiment mit einzelnen Elektronen; Wellenfunktion und Wahrscheinlichkeit.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>\u00a0<strong>5. Wellenfunktionen<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0Potentialstufen und -t\u00f6pfen; Randbedingungen; Energieniveaus von Atomen. Wellenpakete und Unbestimmtheitsrelation<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>6. Literatur<\/h3>\n<p>F. Bader, Eine Quantenwelt ohne Dualismus, Schroedel, Hannover (1996).<\/p>\n<p>A. Berg u. a., Einf\u00fchrung in die Quantenphysik &#8211; Ein Unterrichtsvorschlag f\u00fcr Grund- und Leistungskurse, P\u00e4dagogisches Zentrum Berlin 1989<\/p>\n<p>A. Brachner, R. Fichtner, Quantenmechanik f\u00fcr Lehrer und Studenten, Schroedel, Hannover, 1977<\/p>\n<p>A. Brachner, R. Fichtner, Quantenmechanik, Schroedel, Hannover (1980)<\/p>\n<p>S. Deylitz, Lernergebnisse in der Quanten-Atomphysik. Evaluation des Bremer Unterrichtskonzepts, Logos, Berlin (1999).<\/p>\n<p>R. P. Feynman, R. B. Leighton, M. Sands, The Feynman Lectures on Physics, Vol. III, (Addison-Wesley, Reading 1966)<\/p>\n<p>H. Fischler, M. Lichtfeldt, Ein Unterrichtskonzept zur Einf\u00fchrung in die Quantenphysik, Physik in der Schule 32, 276 (1994).<\/p>\n<p>J. K\u00fcblbeck, Modellbildung in der Physik, hrsg. v. Landesinstitut f\u00fcr Erziehung und Unterricht Stuttgart (1997).<\/p>\n<p>M. Lichtfeldt, Sch\u00fclervorstellungen in der Quantenphysik und ihre m\u00f6glichen Ver\u00e4nderungen durch Unterricht, Westarp, Essen (1992).<\/p>\n<p>H. Niedderer, Atomphysik mit anschaulichem Quantenmodell, in: H. Fischler (Hrsg.): Quantenphysik in der Schule, IPN Kiel (1992), S. 88.<\/p>\n<p>J. Petri, Der Lernpfad eines Sch\u00fclers in der Atomphysik &#8212; Eine Fallstudie in der Sekundarstufe II, Verlag Mainz, Aachen (1996)<\/p>\n<p>H. Wiesner, Elementarisierung der Quantenphysik: Didaktische Erfordernisse und fachliche Bedenken, in H. Fischler (Hrsg.): Quantenphysik in der Schule, IPN Kiel (1992), S. 184.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcbersicht \u00fcber die Unterrichtsentw\u00fcrfe aus der fachdidaktischen Literatur In diesem Kapitel geben wir einen \u00dcberblick \u00fcber die bisher ausgearbeiteten Unterrichtskonzepte zur Quantenphysik. Der Schwerpunkt der folgenden Darstellung liegt auf der inhaltlichen Struktur der betrachteten Unterrichtskonzepte. 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